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Ärztemangel und Versorgung Corona-Update

Schnellschüsse des Gesundheitsministers gehen nach hinten los und verspielen Vertrauen der Bevölkerung

Es muss in der Bekämpfung der Corona-Pandemie endlich klare und nachvollziehbare Regeln für die Bevölkerung geben. Schluss mit Intransparenz, Konfusion und Geheimnistuerei – und halbgaren Ankündigungen wie den Schnelltests in den Arztpraxen.

 

Es muss in der Bekämpfung der Corona-Pandemie endlich klare und nachvollziehbare Regeln für die Bevölkerung geben. Und es muss Schluss damit sein, die Menschen mit Intransparenz, Konfusion und Geheimnistuerei zu verunsichern – ebenso wie mit der nicht zu Ende gedachten Ankündigungspolitik des Gesundheitsministeriums.

Dass jetzt der bisherige Höchststand bei den Neuinfektionen erreicht wurde, verdeutlicht den Ernst der Lage und macht ein kompetentes gesundheitspolitisches Vorgehen dringend erforderlich. Wenn Maßnahmen angekündigt, dann bis wenige Stunden vor dem geplanten Inkrafttreten hinausgezögert und schlussendlich verschoben werden, dann verstärkt das den Eindruck, dass viele gesundheitspolitische Maßnahmen gegen die Pandemie unüberlegt und mangelhaft vorbereitet werden. Man darf nicht vergessen, dass es für viele Menschen entscheidend ist, sich auf die neue Verordnung einstellen zu können. Solch ein Durcheinander ist sicher nicht vertrauensbildend, sondern eher ein Affront.

Entscheidungen auf transparenter und gut nachvollziehbarer Basis treffen und überzeugend kommunizieren

Dass Gesundheitsminister Rudolf Anschober Fehler im Krisenmanagement der Geschehnisse in Ischgl im März dieses Jahres eingestanden hat, ist als seriöse Reaktion anzuerkennen. Doch es geht angesichts steigender Corona-Neuinfektionen darum, aus solchen Fehlern zu lernen und die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen. Die Bewältigung der Corona-Krise wird der Bevölkerung die Bereitschaft zum Mitmachen und auch viele Opfer abverlangen. Umso wichtiger ist es, Entscheidungen auf transparenter und gut nachvollziehbarer Basis zu treffen und überzeugend und schlüssig zu kommunizieren. Da gibt es allerdings noch viel Luft nach oben.

Auch die vom Gesundheitsminister gepriesene Corona-Ampel, die aber ohne jede Konsequenz aufleuchtet, ist Stückwerk und bleibt unverständlich. Ob es einen zweiten Lockdown geben soll, und wenn ja, wann, darüber hüllt sich der Gesundheitsminister in Schweigen. Bürgerinnen und Bürger sind aber keine Kleinkinder, denen man unangenehme Tatsachen besser verschweigt, sondern haben ein Anrecht auf seriöse Information und eine nachvollziehbare Perspektive für die Zukunft.

Vertrauen in Kompetenz der Gesundheitspolitik erschüttert

Zudem ist durch Bestimmungen zu einem Anti-Corona-Verhalten der Bevölkerung, die sich nachträglich als nicht rechtskonform herausgestellt haben, das Vertrauen vieler Menschen in die Kompetenz der Gesundheitspolitik ohnehin erschüttert. Wir stehen wohl unmittelbar vor – oder bereits inmitten – der nächsten Corona-Welle und die Bevölkerung muss angesichts der größten Gesundheitskrise seit 100 Jahren abgeholt und überzeugt werden. Das wird ohne Kompetenz und Transparenz in der Gesundheitspolitik nicht gehen. Ergebnisse von Meinungsumfragen geben Anlass zur Sorge, dass bereits sehr viel Glaubwürdigkeits-Kapital verspielt wurde.

Ende der Ankündigungspolitik

Ich fordere ein Ende der Ankündigungspolitik des Herrn Gesundheitsministers aber auch anlässlich der von ihm angekündigten Coronatests im niedergelassenen Bereich. Testungen bei Hausärzten auf freiwilliger Basis sind ein gutes Mittel in der aktuellen Pandemiesituation. Aber einmal mehr gefällt sich der Minister in der Rolle des Verkünders froher Botschaften, ohne dass die Vorgehensweise zu Ende gedacht wurde. In der konkreten Frage ist noch nicht einmal geklärt, welche und wie viele Ärztinnen und Ärzte – schon wegen der räumlichen Gegebenheiten in ihren Arztpraxen – mitmachen, die Abrechnung ist noch unklar, nicht einmal die Tests stehen schon zur Verfügung.

Dass Patientinnen und Patienten nun verunsichert sind und die Ordinationen in dieser ohnehin schwierigen Zeit in entsprechenden Anfragen untergehen, wird zugunsten der Publicity in Kauf genommen. Ich kann Patientinnen und Patienten nur raten, sich beim Ministerium zu erkundigen, welche Ärztinnen und Ärzte Coronatests anbieten.

Vertrauensstiftende Maßnahmen schauen anders aus

All das ist in der aktuellen Pandemie alles andere als vertrauensstiftend. Es ist zu hoffen, dass es dem Gesundheitsminister gelingt, das Steuer noch einmal herumzureißen.

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